Unser 1. Zyklus mit Unterstützung

„Wenn es ein Löwenzahn durch den Asphalt schafft, dann findest auch du deinen Weg.“
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Mit diesem Satz, welchen ich im mynfp-Forum gelesen habe, möchte ich diesen Post starten. Und euch somit auf unsere Reise mitnehmen. Ihr seit eingeladen mir zu folgen, zu hoffen und zu bangen. Zu hibbeln und eventuell auch enttäuscht zu werden.

Seit dem 11.September sind wir in der Kinderwunschbehandlung im Kinderwunschzentrum Erlangen, bei Dr. Jan van Uem. Wir waren sehr nervös, vor unserem Erstgespräch mit ihm. Was wird er uns empfehlen? Wird er uns und unsere Sorgen ernst nehmen? Was wird er sagen, das ich noch so Jung bin? Werden viele im Wartezimmer sitzen? Wie wird es weiter gehen? Werden wir endlich Schwanger?
Unendlich viele Fragen kreisten vor allem mir durch den Kopf und als endlich der lang ersehnte Termin vor der Tür stand, war ich einfach nur erleichtert, dass mein Mann mich zu diesem Termin begleiten konnte. Die ganzen Untersuchungsergebnisse der letzten Monate haben wir mitsamt dem Anmeldebogen schon vorab per Post zugestellt. Somit wusste Dr. van Uem worauf er sich vorbereiten musste und konnte uns schon zu beginn des Gespräches beruhigen.
Aber nun einmal zurück, wir kamen an und setzten uns in das Wartezimmer, das am Nachmittag erstaunlicherweise leer gewesen ist. Nur 2 Paare waren vor uns. Die Blicke trafen sich nur gelegentlich und wenn sie sich trafen, dann kam von beiden Seiten meist nur ein kleines Lächeln und dann hat man den Blick schon abgewand. Und so saßen wir da, erzählten uns von unserem Tag und versuchten uns unsere Nervosität nicht anmerken zu lassen. Dies gelang mir nur grenzwertig…
Und dann kam er, der Moment als wir aufgerufen wurden. Mein Herz pochte und ich hatte das Gefühl mir bleibt die Luft weg. Als mich mein Mann jedoch an der Hand nahm, spürte ich, ich muss diesen Weg nicht alleine gehen. Denn es betrifft uns beide. Es ist ja schließlich unser Wunsch und nicht nur meiner.

Und da kam er herein, Dr. Jan van Uem. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Internetseite des Kinderwunschzentrums nicht vorab schon in und auswendig gelernt hätte. Aber es war ein Unterschied, sich nur einzulesen und dann tatsächlich vor dem Arzt zu sitzen, der einem zu seinem Wunschkind verhelfen soll.
Er machte sofort einen sehr sympathischen Eindruck und ging die Sache mit allergrößter Sorgfalt und Fürsorge an. Man hat recht schnell gemerkt, dass dieser Arzt weiß wovon er spricht. In diesem Moment ist mir jeglicher Felsbrocken von den Schultern gefallen, man hat sie förmlich aufkommen hören. Ein kurzer Blick auf unsere Unterlagen, danach blickte er freudig auf uns und erklärte in kurzen Worten, dass er nicht glaube das wir viel Unterstützung von Ihm benötigen werden. In einem etwas ausführlicherem Gespräch erklärte er uns dann die Therapiemethoden, die er uns nun empfielt und fragte wie wir dazu stehen. Auch blieb die Frage nicht aus, ob ich bereit dafür wäre, da ich bei anderen Ärzten Medikamentöse Behandlungen derzeit immer abgelehnt habe. Als ich Ihm allerdings erklärte, wieso ich diese ablehnte und wie es sich ein Arzt bei mir verscherzen kann, nickte er und wirkte sichtlich erleichtert. Ich glaube, er hatte bange dass ich nicht bereit wäre und dieser Weg somit nicht der richtige für uns wäre.

Da mein Mann schon ein Spermiogram machen lassen hat und auch bei mir schon ein Hormonstatus inklusive Zyklus-Monitoring gemacht wurden, konnten wir direkt zum nächsten Schritt übergehen. In den Befunden wurde ersichtlich, das mein Östrogen-Spiegel am Zyklusanfang zu niedrig sei und dies der Grund ist, weshalb ich eine verlängerte erste Zyklushälfte habe. Dies galt es nun zu unterstützen. Meine Frauenärztin sah in diesem niedrigen Wert keinen Handlungsbedarf, da er nicht gravierend niedrig ist. Allerdings zeigt mir dies, das wir wertvolle Zeit verloren haben, die man schon anders hätte nutzen können! Allerdings haben Reproduktionsmediziner einfach einen anderen Blick auf die ganzen Werte, als ein Frauenarzt. Das sei ihnen nicht verübelt, immerhin können nicht alle Frauenärzte sich so gezielt auf einen Kinderwunsch spezialisieren.
Da wir aber schon inmitten der ersten Zyklushälfte waren, wurde mir Blut abgenommen und mich darüber informiert, das ich mich telefonisch melden soll, sobald ein Ovulationstest positiv ist. Am Folgetag konnte ich die Ergebnisse der Blutuntersuchung erfragen, dafür bekommt man direkt eine Durchwahl an das Labor. Ergebnis: Keine Auffälligkeiten.
Ich wäre ja aber nicht ich, wenn ich mir die Werte nicht geben lassen würde. Da wurde ersichtlich das der Östrogenwert einfach niedrig war für den Zyklustag und er normalerweise etwas höher wäre.
Nach dem Termin fiel mir ein riesen Stein vom Herzen, ich glaube erst da konnte ich die Last einfach mal fallen lassen. Es war wie, als hätte ich dieses riesengroße schwere Paket abgegeben. Wir müssen diese Verantwortung nun nicht mehr alleine tragen.

Eine Woche später war es dann soweit, mein Ovulationstest war positiv. (Glücklicherweise an einem Montag) – so rief ich im Kinderwunschzentrum an und bekam für den darauf folgenden Tag direkt einen Termin.
Bei diesem Termin sollte ein „Postkoitaltest“ erfolgen, dabei wird ein Gemisch aus Spermien und Zervixschleim direkt am Gebärmutterhals abgenommen und unter das Mikroskop gegeben. Dabei ist ersichtlich ob der weibliche Körper Antikörper gegen die Spermien des Mannes bildet. (Das mein Mann und Ich während dieser Zeit natürlich Sex haben müssen, sollte allen hier mitlesenden sicher klar sein.)
Dieser Test fiel bei uns positiv aus, keine Antikörper. Und unter dem Mikroskop konnte man sehr deutlich die Aktivität der Spermien beobachten, die lt. Dr. van Uem optimal seien. Einen Ultraschall machte er ebenfalls, um zu schauen wo der Leitfollikel ist und wie groß er ist. Hier konnten wir einen Leitfollikel im Linken Eierstock finden, der eine Größe von 18,3mm aufwieß. Für einen Optimalen Eisprung wie auch Befruchtung, sollte der Leitfollikel zwischen 19 und 20mm sein.
Mir wurde erneut Blut abgenommen und dazu bekam ich ein Rezept ausgestellt. Als ich auf das Rezept schaute stand dort „Brevactid 1500 IE – 3 stk.“ Ich kannte dieses Medikament, davon habe ich im mynfp-Forum schon sehr oft gelesen. Dieses Mittel wird genutzt um den Eisprung auszulösen. Nach der Blutabnahme wurde mir dann mitgeteilt, das ich am Mittag bitte anrufen soll, daraufhin würde man mir sagen wann ich die erste Spritze injizieren soll.

Und somit verließ ich die Praxis. Mit einem leicht mulmigen, aber auch fröhlichem Gefühl. Denn was wollte ich mehr? Uns wurde endlich geholfen. Ein Glück ist an der Praxis auch eine Apotheke, dadurch konnte ich das Mittel direkt besorgen und damit nach Hause fahren.
Die Zeit bis ich im Labor anrufen konnte verging so langsam, ihr glaubt gar nicht wie furchtbar das ist, so auf heißen Kohlen zu sitzen! Als ich dann endlich anrufen durfte, wurde mir dann erklärt dass ich am Abend die erste Spritze injizieren soll. Die zwei anderen sollte ich im Abstand von 3 Tagen spritzen. Heute war die letzte Spritze für mich. Es hat mich anfangs etwas überwindung gekostet mich selbst zu spritzen, nachdem ich es einfach gemacht habe, war es halb so wild. Ich habe mir immer im Kopf behalten, wofür ich mich selbst spritze. Und das uns das nur näher an unseren Bauchzwerg bringt. Somit ging es mir viel leichter von der Hand.
Kommenden Mittwoch muss ich zur Blutentnahme um Progesteron und Östrogen bestimmen zu lassen. Ich schätze, für einen Bluttest ist es noch zu früh. Ein Schwangerschaftstest für zuhause kann jetzt auch erst frühstens 10 Tage nach der letzten Spritze erfolgen. Ihr fragt euch wieso? Ich erzähle es euch; in Brevactid ist HCG enthalten. Dieses HCG ist bis zu 10 Tage lang im Urin nachweisbar. Somit sind jeglichen Ovulationstests, wie auch Schwangerschaftstests nicht aussagekräftig! Sie zeigen auf jeden Fall positiv an. Den selbsttest habe ich 2 Tage nach der ersten Spritze gewagt. Dieser Test zeigte mir zwei dicke Linien, aber fakt ist, ich konnte schlecht Schwanger sein wenn der Eisprung erst stattgefunden hat. Das war schon ein wenig deprimierend. Aber wenn es uns hilft, dann muss man damit Leben.

Ich bin sehr froh, das wir diesen Schritt gewagt haben, die Last zu teilen, die Verantwortung abzugeben und nicht mehr hilflos dazustehen.
Als ich letzten Dienstag bei meinem Termin war, war das Wartezimmer voll. Ich habe gerade noch einen Sitzplatz bekommen. So viele junge Paare, junge Frauen .. die alle den selben Wunsch teilen. Erst da wurde mir bewusst, wie verbreitet der unerfüllte Kinderwunsch ist und das man darüber offen sprechen sollte. Auch als junger Mensch!

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