‚Du bist doch noch so jung‘ ..

Das und noch viel mehr höre ich in letzter Zeit sehr häufig auf der Arbeit.
Als müsse man als junger Mensch besser und länger funktionieren als die älteren Kollegen. Grundsätzlich sehe ich ein, dass jemand älteres schon ein paar mehr körperliche weh wehchen hat, aber die Seele wird komplett aus den Augen gelassen.

Ich leide seit meinem 13.Lebensjahr ganz offiziell an einer mittelgradigen Depression. Wer weiß ob ich diese nicht schon viel früher entwickelt habe, die offizielle Diagnose bekam ich allerdings erst in diesem Alter. Meine Seele ist Krank und das gestehe ich mir ein, es sollte kein Tabu-Thema mehr sein. Seit diesem Jahr habe ich zusätzlich die Diagnose Borderline erhalten. Lange habe ich geglaubt, es zu haben, die Diagnose dann zu besitzen, ändert zwar nichts dran, aber es macht es erträglicher. Man weiß, was die Seele belastet. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass wenn die Seele erkrankt ist, man als junger Mensch nicht ernst genommen wird damit. Oft höre ich „Du bist doch noch so jung und hast jetzt schon Depressionen?“ Muss ich älter sein, damit anerkannt wird dass meine Seele krank ist? Wenn ich erwähne, dass ich zum schlafen Medikamente brauche, dann werde ich oft nur merkwürdig angeschaut. Über mein Antidepressiva, welches ich zwar seit 2 Monaten abgesetzt habe, erzähle ich recht wenig.
Aus welchem Grund ist das so? Diese Frage stelle ich mir sehr häufig und oft stoße ich auf Unverständnis und die gängigen Aussagen á la ‚Das wird schon wieder.‘ ‚Kopf hoch, jedem geht es einmal schlecht.‘ und so weiter, bin ich langsam ziemlich leid. Sie gehen in das eine Ohr hinein und in das andere hinaus. Zumindest konnte ich das lange Zeit. Derzeit habe ich eine sehr empfindliche Phase, ich bin schnell reizbar und gehe schnell auf die Palme. Meine Mitmenschen bekommen es mit, ich kann mich leider schlecht zurückhalten. Meine Wut wird richtig ersichtlich und ich suche die Scheuklappen, die den Blick zumindest für eine kurze Zeit auf das wesentliche lenken würden, aber ich kann Sie nicht finden. All‘ das zerrt an den Kräften, man wendet so viel Energie dafür auf, sich über diverse Dinge zu ärgern, dass man für die wesentlichen Dinge keine mehr aufbringen kann. Es mag sein, dass ich körperlich noch funktioniere, aber Mental bin ich einfach nur am Ende. Meine Grenze habe ich überschritten und ich finde den Rückwärtsgang nicht. Es ist schwierig, zu erklären wie in einem ein Krieg ausbricht, wenn man es nicht sehen kann.

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